Wie berücksichtigt die Waldorfpädagogik die Entwicklung des Kindes in ihren pädagogischen und didaktischen Grundzügen?

Ein Kind ist kein unbeschriebenes Blatt, welches die Erzieher und Eltern möglichst früh und reichhaltig gleich einem leeren Fass mit Wissen anfüllen müssen.

Vererbung und Sozialisation erklären die Individualität eines kleinen Kindes nicht erschöpfend dafür sind Geschwisterkinder schon viel zu unterschiedlich.

Das kleine Kind kommt auf diese Welt zu uns mit all seiner Individualität und Vielfalt.

 

Es ist von Anfang an ein unverwechselbares und gleichzeitig auch immer soziales Wesen, angewiesen auf den sozialen Umgang.

Kinder wollen sich selbst wahrnehmen, erkennen und haben ein ausgeprägtes Lernbedürfnis und sie brauchen dazu immer soziale Gemeinschaften wie zum Beispiel Familie, Kindergarten oder eine Gruppe Gleichaltriger.

Ohne die Bildung im frühpädagogischen Bereich hätten es unsere Kinder schwer, in der Zukunft einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Die Waldorfpädagogik berücksichtigt in ganz besonderem Maße die Tatsache, dass sich Bildung in einem sozialen Umfeld vollzieht, in der den Kindern Sicherheit, Geborgenheit und Ermutigung geboten wird.

In diesem Umfeld ist ein emotionales Erleben möglich, welches dann zu einer nachhaltigen Lernerfahrung führt.

Unser pädagogischer Ansatz betont zudem, dass Bildung für das Kind immer an Aktivität gebunden sein sollte und vermittelt die entscheidenden Lernbereiche deshalb schwerpunktmäßig in den jeweiligen Erfahrungsfeldern.

Der Waldorfkindergarten versteht sich als Einrichtung, die die Basis für die verschiedenen Kompetenzen legt, die ein Kind im Kindergarten lernt und verfeinert, wie Körper und Bewegungskompetenzen, Sinnes- und Wahrnehmungskompetenzen, Sprachkompetenz, Phantasie, Kreativitätskompetenz und Sozialkompetenz, Motivations- und Konzentrationskompetenz so wie ethisch moralische Wertekompetenz.

Bei dieser Vermittlung vielfältiger Kompetenzen hat die Waldorfpädagogik die individuelle Persönlichkeitsentwicklung des Kindes in besonderem Maße im Auge.

Wir wollen als Pädagogen dem Kind ein Entwicklungsbegleiter sein und bemühen uns zu erspüren, welcher Entwicklungswunsch für das jeweilige Kind ansteht.

Ein Kind, dass in seinen verschiedenen Persönlichkeitsbereichen Förderungen erfahren hat, kann seine besonderen Fähigkeiten, Eigenheiten und Stärken entfalten.

Neben dieser Persönlichkeitsentwicklung legen wir auch auf soziale Kompetenzen, wie die Akzeptanz gesellschaftlicher Normen, großen Wert.

Die Kinder sind z.B. gehalten mit Frustrationen angemessen umzugehen.

Durch die Übenden, rhythmischen, sich im täglichen Ablauf, im Wochen- und Jahresverlauf wiederholenden Aktivitäten entwickelt das Kind eine Vielfalt von Kompetenzen, die ihm Selbstsicherheit und langfristig ein sicheres Selbstwertgefühl und eine Orientierung im Leben bieten.

In intensiver Gruppenarbeit wird auf die Entwicklung der Sprachfähigkeit und Sprechfähigkeit zum Beispiel mit Finger- , Rollen- und Kreisspielen viel Wert gelegt.

Die Kinder entwickeln so spielerisch zahlreiche kognitive Fähigkeiten und so wird ihr Konzentrations- und Differenzierungsvermögen als auch ihr Gedächtnis geschult.

Einen ganz besonderen Schwerpunkt legt die Waldorfpädagogik auf den Erwerb von motorischen Fähigkeiten.

Gerade in der heutigen Zeit sind viele Kinder in ihren motorischen Fähigkeiten unterentwickelt.

Das verwundert nicht angesichts normierter Kinderspielplätze, technisierter Welt und geringem Naturerleben, um nur einiges aufzuzählen.

Da unser Kindergarten in den Lebensraum Wald eingebunden und ein kleiner Garten mit Tierhaltung angegliedert ist, können die Kinder relativ freie und intensive Erfahrungen mit der Natur, aber auch mit der Tier- und Gartenpflege machen.

In diesem Rahmen werden auch kleine Aufgaben durch die Kinder übernommen, es entsteht eine enge Bindung und auf diesem Wege auch eine selbstverständliche Wertschätzung von Natur und Umwelt.

Weitere wichtige Prinzipien unserer Arbeit, wie im Bildungsplan gefordert, sind die der Kontinuität in der Förderung und in der Entwicklung der Selbstständigkeit.

Um eine Verunsicherung der Kinder beim Wechsel vom Elternhaus in den Kindergarten zu vermeiden, stehen wir in engem Kontakt mit den Eltern!

Hausbesuche einmal jährlich bei allen Kindern, regelmäßige Telefonate, Gesprächstermine im Kindergarten, Elternnachmittage in achtwöchigen Abständen, gemeinsame Feste, mögliche Teilnahme der Eltern am gesamten Kindergartenvormittag (insbesondere am Geburtstagsfest Ihres Kindes) und Abschlussgespräche mit den Eltern der Vorschulkinder.

Um einen möglichst fließenden Übergang in die Schulzeit zu ermöglichen, wird von uns angestrebt, dass die zukünftigen Klassenlehrer vor der Einschulung einige Stunden im Kindergarten verbringen und Fachlehrer einzelne Stunden als besondere Projekte für die Kindergartenkinder anbieten.

Im ersten Schuljahr wird darüber hinaus die Erzieherin aus dem Kindergarten stundenweise in den Schulalltag integriert.

Bei aller Betonung der engen Beziehung zwischen Erzieherin und Kind und dem Gefühl der Geborgenheit und Kontinuität versuchen wir die Autonomiebedürfnisse der Kinder auch im Blick zu haben.

Entsprechend zielt unsere Fürsorge und Hilfe darauf ab, dem Kind zu ermöglichen, in seinem Tun Selbständigkeit zu erlangen.

So bekommen die Kinder möglichst nur so viel Anleitung wie gerade nötig.

Individuell werden den älteren Kindern kleine, anspruchsvolle Aufgaben zugetraut.